21.02.2025
Warum mobben Kinder?
Kinder mobben, wenn sie nicht anders können. Besonders anschaulich lässt sich das anhand der Grundannahme der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, dass jeder Mensch zu jedem Zeitpunkt sein Bestes tut, um sich seine Bedürfnisse zu erfüllen, erklären: Ein Kind, das andere schikaniert, macht dies nicht, weil es das Ziel hat, andere zu ärgern. Nein, es verfolgt im Grunde die Erfüllung seines Bedürfnisses zum Beispiel nach gesehen werden, Zugehörigkeit oder manchmal auch einfach Anregung und Spaß. Die Strategie, die es dafür wählt, ist natürlich unsozial und inakzeptabel. Ihm fehlt aber eine adäquate sozialverträgliche Handlungsoption.
Kinder, die in einem bestimmten Kontext – zum Beispiel in der Schule – gemobbt werden, werden nicht selten in einem anderen Kontext – zum Beispiel im familiären Umfeld – selbst zu Mobbenden, um so wieder auf ihre unerfüllten Bedürfnisse – wie Respekt, oder Sicherheit – einzugehen.
Woran erkenne ich, dass mein Kind gemobbt wird?
Wenn mein Kind sich plötzlich anders verhält als bisher, zum Beispiel auffällig aggressiv, verunsichert oder auch traurig wirkt, sich auf einmal sehr zurückzieht oder abweisend ist, würde ich hellhörig werden und das Gespräch suchen. In dem Gespräch würde ich darauf eingehen, welche Veränderung mir an seinem Verhalten Sorgen bereitet und fragen, ob es etwas gibt, was es so wütend, traurig oder verschlossen macht.
Was soll ich tun, wenn ich erfahre, dass mein Kind gemobbt wird?
Das klingt jetzt womöglich etwas eigenartig. Da es uns als Eltern wahrscheinlich erst einmal selbst triggert, wenn wir mitbekommen, dass unser Kind gemobbt wird, ist meine Empfehlung: Sich erst einmal um den eigenen Trigger kümmern. Am besten können wir unserem Kind dann helfen, wenn wir selbst in unserer vollen Kraft sind. Und das sind wir nicht, wenn wir im Stress sind. Daher: Durchatmen, sich fragen, was macht das gerade mit mir? Was wäre mir jetzt hilfreich, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen?
Mobbing ist ein individuell gefühlter Prozess. Erfahre ich also, dass sich mein Kind gemobbt fühlt – unabhängig davon, was tatsächlich alles passiert ist – schaue ich: Habe ich das nötige Wissen, um mein Kind – und mich – so zu begleiten, dass wir diesen individuell gefühlten Prozess positiv verändern können? Wenn nicht, hole ich mir Hilfe von außen. Es gibt inzwischen viele gut ausgebildete Kinder-, Jugend- und Familiencoaches, die speziell für den Umgang mit Mobbingerfahrung ausgebildet sind. Ich selbst arbeite nach der IntuSense®-Coaching-Methode von Stark auch ohne Muckis, welche ich mit der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg kombiniere, um auf wirklich einfache, anschauliche und nachhaltige Art und Weise Hilfestellung zu bieten.
Soll ich das Gespräch mit den Eltern des mobbenden Kindes suchen?
Davon würde ich abraten. Genauso, wie es mich triggern kann, wenn ich erfahre, dass mein Kind gemobbt wird, kann es mich triggern, wenn ich von anderen gesagt bekomme, mein Kind würde ihres mobben. In dem Fall komme ich erst einmal in Stress und kann gar nicht angemessen reagieren.
Was soll ich tun, wenn ich mitbekomme, dass mein Kind andere Kinder mobbt?
Wenn ich erfahre, dass mein Kind andere mobbt, ist das ja ein Hinweis darauf, dass es bei meinem Kind gerade „nicht rund läuft“. Auch in diesem Fall würde ich so vorgehen, wie gerade beschrieben: Ich schaue, ob ich das nötige Wissen habe, um mein Kind so zu begleiten, dass es neue, sozialverträgliche Handlungsalternativen für sich findet, um seine Bedürfnisse zu erfüllen. Wenn nicht, suche ich mir Hilfe von außen.
Corinna Barbé